Aortenklappenstenose

Bildquelle: Georg Thieme Verlag KG

Die Aortenklappenstenose ist überwiegend durch degenerative Veränderungen der Aortenklappe bedingt und tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Man geht davon aus, dass etwa 2 % der über 65-Jährigen und bis zu 4 % der über 75-Jährigen betroffen sind [1]. Oft wird der Patient erst nach Auftreten der ersten Symptome - im fortgeschrittenen Stadium - auf die Erkrankung aufmerksam. Nach Auftreten der ersten Symptome reduziert sich seine Überlebenschancen deutlich: Nach 2 Jahren beträgt die Überlebensrate im Durchschnitt 50%, nach 5 Jahren – lediglich 20% [1].

Eine Aortenklappenstenose kann aufgrund anatomischer Fehlbildungen sowie infolge bestimmter Vorerkrankungen wie z.B. Endokarditis oder ischämische Herzkrankheit entstehen. Im Lauf der Erkrankung wird die Öffnungsfläche durch die Verwachsung der Klappentaschen, Fibrosierung oder Kalkeinlagerungen zunehmend verengt. Das Blut sammelt sich hinter der Herzklappe und die normale Pumpfunktion ist nicht mehr gewährleistet

Bei einer schweren Aortenklappenstenose setzt die Symptomatik in der Regel relativ spät ein: Der Patient klagt über Schwindelattacken, Synkopen oder Kurzatmigkeit. Später können sich eine Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen entwickeln. Eine rechtzeitige und genaue Diagnose ist deshalb unerlässlich. Hierfür stehen dem behandelnden Arzt umfangreiche diagnostische Maßnahmen zur Verfügung – neben einer ausführlichen Patientenanamnese und der Auskultation des Herzens, können ein 12-Kanal-EKG, ein Belastungs-EKG (bei asymptomatischen Patienten), eine Thorax-Röntgenaufnahme, sowie eine Herzkatheter-Untersuchung zur Diagnosestellung eingesetzt werden. Die wichtigste nicht invasive Untersuchung stellt die Echokardiographie für die Beurteilung sowie für die finale Diagnose einer Aortenklappenstenose dar.[2].

Über viele Jahrzehnte war der chirurgische Aortenklappenersatz, der neben der relativen Symptomfreiheit auch eine Verbesserung der Lebensqualität ermöglichte, die einzige wirksame Therapieoption für Patienten mit schwerer symptomatischer Aortenklappenstenose. Dennoch konnten viele Betroffenen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters bzw. schwerer Begleiterscheinungen wie z.B. Herzinsuffizienz, Nieren- oder Lungenerkrankungen, nicht operativ behandelt werden [3].

Seit 2007 gibt es eine weitere Behandlungsoption für Patienten mit schwerer symptomatischer Aortenklappenstenose – die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI). Dieses minimal-invasive Verfahren lässt den Eingriff am offenen Herz vermeiden, indem die neue Herzklappe mithilfe eines Katheters entweder transfemoral (über die Leiste), transapikal (über die Herzspitze) oder transaortal (über die Halsschlagader) eingeführt wird. TAVI wird nach den aktuellen Leitlinien bei inoperablen Patienten mit schwerer Aortenklappenstenos ausdrücklich empfohlen – bei noch operablen Patienten mit hohem Operationsrisiko kann TAVI nach Entscheidung eines Herzteams als Alternative in Betracht gezogen werden [2].

Literatur

  1. Nkomo et al. Burden of valvular heart diseases: a population-based study. Lancet 2006; 368: 1005-1011.
  2. Joint Task Force on the Management of Valvular Heart Disease of the European Society of Cardiology (ESC); European Association for Cardio–Thoracic Surgery (EACTS), Vahanian A, Alfieri O, Andreotti F et al. Guidelines on the management of valvular heart disease (version 2012). Eur Heart J 2012; 33:2451-2496.
  3. Iung B et al; Decision-making in elderly patients with severe aortic stenosis: why are so many denied surgey? Eur Heart J  2005; 26: 2714-2720.