Europäische Leitlinien

Nach den Leitlinien der ESC/EACTS (1) (European Society of Cardiology/European Association for Cardio-Thoracic Surgery) aus dem Jahr 2012 sollen bei allen Patienten mit schwerer Aortenklappenstenose operative und interventionelle Behandlungsindikationen sorgfältig abgewogen werden.

Anders als in den Leitlinien von 2007 wird der operative Klappenersatz bei schwerer Aortenklappenstenose nicht mehr als einzige therapeutische Option genannt – aufgrund der überzeugenden Evidenz wurde erstmals auch TAVI als mögliche Alternative berücksichtigt.

 

Anhand folgender Echoparameter ist eine Aortenklappenstenose als „schwer“ anzusehen:

  • Aortenklappenöffnungsfläche: < 1,0 cm²
  • Klappenöffnungsflächenindex: < 0,6 cm²/m² (bezogen auf Körperoberfläche)
  • Mittlerer Durckgradient über der Klappe: > 40 mmHg (bei normalem Schlagvolumen)
  • Maximale Flussgeschwindigkeit: > 4,0 m/sec
  • Geschwindigkeitsquotient: < 0,25 (Ausflusstrakt/Aortenklappe)

 

Bei symptomatischen Patienten mit schwerer Aortenklappenstenose sollten an erster Stelle mögliche Kontraindikationen bzw. das operative Risiko für einen operativen Aortenklappenersatz abgeklärt werden. Liegen solche Kontraindikationen vor, wird bei ausreichender Lebenserwartung von über einem Jahr zu einer TAVI geraten. Auch bei im Prinzip noch operablen Patienten mit einem erhöhten Operationsrisiko kann TAVI als Alternative zur Operation in Betracht gezogen werden. Allerdings muss ein interdisziplinäres Herz-Team, mindestens bestehend aus einem Facharzt der Kardiologie sowie der Herzchirurgie, den interventionellen Eingriff aufgrund des individuellen Risikoprofils und der anatomischen Gegebenheiten für besser geeignet halten [1].

Im Sommer 2017 sollen die europäischen Leitlinien aktualisiert werden. Hier wird erwartet, dass die neuen Studiendaten zur TAVI bei Patienten mit hohem aber auch intermediärem Operationsrisiko Berücksichtigung finden.

 

Literatur

  1. Joint Task Force on the Management of Valvular Heart Disease of the European Society of Cardiology (ESC); European Association for Cardio–Thoracic Surgery (EACTS); Vahanian A et al. Guidelines on the management of valvular heart disease (version 2012). Eur Heart J 2012; 33: 2451-2496